Ilse Steppat - ein paar traurige Anmerkungen

Ilse Steppat – ein paar traurige Anmerkungen

Eine gute Rolle im Film ist eine Rolle, in der die Schauspielerin nicht nur einen prägnanten Charakter zu spielen hat, sondern durch die Handlung auch eine Entwicklung macht, die zu einem in irgendeiner Hinsicht dramatischen Abschluss kommt. Leider bekam die ausgezeichnete Schauspielerin Ilse Steppat (1917–1969) keine zufriedenstellende Rolle in Edgar-Wallace-Filmen, denn die Drehbücher sahen für ihre Charaktere weder eine Entwicklung vor, noch wurde ihnen ein dramatischer Höhepunkt zugestanden. Dabei wäre da einiges drin gewesen.

„Die Gruft mit dem Rätselschloss“ (1964) bietet ihr zwar nur eine kleine Rolle, die aber immerhin stimmig ist. Als tückische Müllerin (und Mutter der zwei schlimmen Brüder?) kann Ilse Steppat sehr überzeugen und bei uns trauriges Bedauern darüber hervorrufen, dass ihre Rolle nicht doch ein bisschen größer ausgefallen ist.

In „Der unheimliche Mönch“ (1965) ist sie die Internatsleiterin und Mutter eines völlig missratenen Sohnes. Ursprünglich waren für diese Rolle Elisabeth Flickenschildt und Klaus Kinski vorgesehen. Ich kann mir vorstellen, dass die hochdotierte Flickenschildt die Rolle abgelehnt hat, weil das Drehbuch sie im Laufe der Handlung schlicht vergisst. Außerdem schwankt die Figur uninspiriert zwischen dem Wunsch, Gerechtigkeit zu wahren, was das Erbe betrifft, und dem Verzweifeln am eigenen Sohn, der ihr schlimmsten Kummer bereitet. Ilse Steppat macht ihren Job dennoch professionell, was hier gar nicht so einfach ist. Eine würdige Schlussszene hätte sie wenigstens verdient (man denke an die Schlussszene der Flickenschildt in „Das indische Tuch“).

Auch „Die blaue Hand“ (1967) bietet ihrem Talent keine adäquaten Möglichkeiten. Anfangs scheint Lady Emerson noch eine interessante Figur zu werden, die das Drehbuch jedoch irgendwann leider zwischen den vielen bösen Männern erdrückt.

Es ist ein wenig schade um das Potenzial, das Ilse Steppat gehabt hätte. Letztendlich wurde sie so um die Möglichkeit betrogen, eine der bekannten Kultdarstellerinnen der Filme zu werden wie Flickenschildt, Windeck oder Tröger.

Sie war durchaus ein spezieller Typ: eine auch einmal resolut auftretende Frau mit rauer Stimme; sie konnte abstoßend böse sein, aber auch sehr gut die Verletzte geben.

Die besten Rollen ihres Lebens hatte Ilse Steppat in ihrem ersten und in ihrem letzten Film. In „Ehe im Schatten“ (1947) kann sie als jüdische Frau eines Schauspielers in der NS-Zeit vollends überzeugen, und in „James Bond 007 – Im Geheimdienst Ihrer Majestät“ (1969) als bitterböse Blofeld-Schergin Irma Bunt, die am Ende des Films Bonds einzige Filmgattin – gespielt von Diana Rigg als Tracy – erschießt. Damit ist Steppat die Initiatorin der traurigsten Bond-Szene überhaupt.

Traurig war Ilse Steppat wohl auch, als sie erfuhr, dass Horst Wendlandt alle jemals in einem Wallace-Film mitwirkenden Schauspieler zu einer Party anlässlich des 25. Wallace-Filmjubiläums eingeladen hatte – nur sie wurde anscheinend als einzige Darstellerin vergessen.

Noch trauriger ist schließlich die Tatsache, dass sie kurz nach der Premiere ihres James-Bond-Films im Alter von nur 52 Jahren ganz plötzlich an einem Herzinfarkt verstarb.

Verfasser: Hans-Jürgen Osmers I Sämtliche Texte unterliegen dem Urheberrecht und dürfen ohne Zustimmung und Quellenangabe nicht anderweitig verwendet werden.