Petra Schürmann - Miss World zu Gast bei Edgar Wallace

Dass Prominente, die uns längst aus anderen Medien vertraut sind, plötzlich in einem Film auftauchen, betont die Leichtigkeit und den Charme des Films. Denn man weiß umso deutlicher, dass das Geschehen nur eine Phantasie-Story ist, in die bekannte Gesichter hineintappen und natürlich auch wieder herauskommen. Selbst ein Kriminalfilm bekommt dadurch eine augenzwinkernde Färbung. Joachim Fuchsberger etwa zitierte den Titel seiner Fernsehquizshow „Nur nicht nervös werden“ in dem Wallace-Film „Die seltsame Gräfin“ (1961), und man weiß, ohne lange nachdenken zu müssen, dass der Quizmaster sich wohl auch in der aufregenden Welt der Wallace-Geschichten zurechtfinden wird.

Petra Schürmann war seit den 1960er- bis mindestens in die 1980er-Jahre eine äußerst prominente und in den Medien präsente Frau . Der Startpunkt ihrer Karriere war das Jahr 1956 mit ihrem Sieg zu der Wahl der schönsten Frau der Welt. Eine deutsche „Miss World“ kurz nach dem Zweiten Weltkrieg? Das war eine absolute Sensation und somit der Beginn ihrer öffentlichen Laufbahn. Der Bayerische Rundfunk engagierte zuerst die intelligente und sprachbegabte Schönheit. Als Ansagerin und Moderatorin im Fernsehen war sie nahezu täglich in vielen deutschen Wohnzimmern gegenwärtig. Dazu kamen Werbespots und die ausführliche Ausschlachtung ihres Privatlebens durch die Boulevardpresse.

Ich muss zugeben, dass ich sie als Kind immer mit der Schauspielerin Marianne Koch verwechselt habe, die ebenfalls als Moderatorin und Werbeikone eine der präsentesten Frauen der 1970er-Jahre war. Und siehe da: Vielleicht hat auch Dr. Gerhard Freund die beiden Frauen gelegentlich ein wenig verwechselt, denn der Ehemann von Marianne Koch hatte ein Verhältnis mit Petra Schürmann und heiratete diese schließlich nach seiner Scheidung von Koch im Jahr 1973. Welch ein gefundenes Fressen für die Sensationspresse!

In dieser Zeit wirkte Schürmann gelegentlich in Fernsehfilmen mit und spielte dabei wiederholt eine Fernsehmoderatorin – also quasi sich selbst als Gaststar. Doch die attraktive Miss World, die einst dem Klischee widersprechend Philosophie, Theologie und Germanistik studiert hatte, war durchaus in der Lage, auch als Filmschauspielerin zu bestehen. In dem frühen Simmel-Film „Mit Himbeergeist geht alles besser“ (1960) spielte sie ein durchtriebenes Mädchen, auf das O. W. Fischer kräftig hereinfallen sollte. Ab 1969 folgten wieder einige Kriminalfilme. Ihr Image als seriöse Moderatorin mit Köpfchen bewahrte die Miss World jedoch stets davor, ein allzu offenherziges Sexsymbol zu werden.

1969 verlieh sie ihr bekanntes Gesicht dem Kriminalfilm „Sieben Tage Frist“, in dem ihre Rolle allerdings hauptsächlich die Funktion hatte, Joachim Fuchsberger nicht allein durch die geheimnisvolle Filmhandlung irren zu lassen. Fast wirkt der gute Blacky etwas zu alt für die makellose Frau, denn sie wirkte mit ihren 36 Jahren fast zehn Jahre jünger.

Im Wallace-Film „Die Tote aus der Themse“ (1971) war sie nicht nur Sir Johns Sekretärin, sondern auch die schicke Komplizin des Haupttäters. Schade, dass diese interessante Rolle so knapp ausfiel. Dass ausgerechnet eine distinguiert wirkende Fernsehprominente eine Verbrecherin spielte, gab einen besonders reizvoller Effekt für einen Wallace-Film, der gerne etwas stärker hätte ausgespielt werden dürfen.

Zum Trost folgte noch ein weiteres kleines Wallace-Gastspiel. Im letzten deutsch-italienischen Edgar-Wallace-Film „Das Rätsel des silbernen Halbmonds“ (1972) war Petra Schürmann wohl ein Praliné für das deutsche Publikum, denn in Italien dürfte sie weitgehend unbekannt gewesen sein. In einem Giallo müssen genrebedingt natürlich viele Frauen umgebracht werden, und so kann man sich freuen, dass auch die bekannte Fernsehmoderatorin einmal als Mordopfer zu Gast ist.

Ab 1980 war Petra Schürmann allmählich seltener im Fernsehen zu sehen und schrieb lieber einmal ein Buch über so ein wichtiges Thema wie die körperliche Hygiene. „Das große Buch der Kosmetik und Körperpflege“ behandelt ein Fachgebiet, auf dem einer ehemaligen Miss World durchaus Kompetenz zuzutrauen ist.

Nach vielen sonnigen Jahren geriet Petra Schürmann ab 2001 wieder verstärkt in die Boulevardpresse – allerdings, weil sich der Himmel inzwischen erheblich verdunkelt hatte. Ihre 34-jährige Tochter starb bei einem Autounfall. Petra Schürmann verfiel in einen labilen psychischen Zustand. Auch eine scheinbare Affäre mit einem 35 Jahre jüngeren Mann, die ihr Ehemann tolerierte, brachte letztlich keine Ablenkung. Ihr Mann Gerhard Freund starb 2008 an einer Krebserkrankung, und sie selbst litt zunehmend unter psychoreaktiven Sprechstörungen, die sie zwangen, sich aus der Öffentlichkeit zurückzuziehen.

2010 starb die ehemalige Miss World im Alter von 76 Jahren. Aus dem Fernsehen ist diese mir sehr vertraut gewordene Frau nun schon lange verschwunden; umso mehr freue ich mich, sie bei Edgar Wallace noch einmal wiederzutreffen.

Verfasser: Hans-Jürgen Osmers I Sämtliche Texte unterliegen dem Urheberrecht und dürfen ohne Zustimmung und Quellenangabe nicht anderweitig verwendet werden.