Jan Hendriks - cool, frech und rätselhaft

Jan Hendriks ist ein immer wiederkehrendes Gesicht in einigen der bekanntesten und erfolgreichsten Edgar-Wallace-Filme. Am häufigsten drehte der Berliner Schauspieler mit Regisseur Alfred Vohrer: sechs Kinofilme, eine Derrick-Folge und zahlreiche Episoden von Der Alte.

Tatsächlich ist es vor allem sein Gesicht, das Vohrer gern in Großaufnahme zeigte und das sich gerade deshalb nachhaltig einprägte. Der scharf beobachtende Blick, irgendwo zwischen Skepsis und Arroganz, prädestinierte Hendriks für geheimnisvolle Figuren, die stets mehr zu wissen schienen als der Zuschauer. Typisch war zugleich seine schlagfertig-frech-joviale Art, die viele Dialogszenen ungemein belebte.

Nach seinem Einstand in „Das Geheimnis der gelben Narzissen“ (1961) waren besonders gelungen: seine erste Szene mit Werner Peters in „Die Tür mit den sieben Schlössern“ (1962), das Aufeinandertreffen mit Elisabeth Flickenschildt in „Das Gasthaus an der Themse“ (1962), der Dialog mit Agnes Windeck in „Der Zinker“ (1963) sowie die Szene mit Otto Czarski in „Der Mann mit dem Glasauge“ (1968). Die dreiste, oft unverschämte Art seiner Figuren machte ihn zu einem unverwechselbaren Bestandteil der Wallace-Serie. Meist stand er auf der kriminellen Seite – oder war zumindest halbseiden –, und meist wurde er am Ende selbst zum Opfer.

Der Hallodri im Privatleben hatte bereits Anfang der 1950er Jahre betrunken einen schweren Verkehrsunfall verursacht, bei dem Menschen schwer verletzt wurden. Hinzu kamen Erfahrungen mit Polizei, Richtern und Gefängnis – unter anderem auch wegen Verstößen gegen das damalige Verbot homosexueller Handlungen. All dies brachte seine zunächst vielversprechende Karriere mit Preisen, guten Kritiken und sogar Hauptrollen erheblich ins Wanken.

Anfang der 1960er Jahre schien sich die Situation zunächst zu stabilisieren, und Jan Hendriks wurde – zumindest für Alfred-Vohrer-Krimis – wieder regelmäßig in größeren Nebenrollen gebraucht. Auch für „Das indische Tuch“ (1963) war er bereits eingeplant. Doch erneut kam der Straßenverkehr dazwischen: Ein schwerer Motorradunfall brachte ihn monatelang ins Koma. Aus der Rolle im Indischen Tuch wurde folglich nichts.

Für „Wartezimmer zum Jenseits“ (1964) holte Alfred Vohrer ihn erstmals wieder vor die Kamera, allerdings nur für einen deutlich kleineren Part als in den Wallace-Filmen. Möglicherweise war ihm noch nicht mehr zuzumuten. Wie dem auch sei: Die Rollen blieben in den restlichen 1960er Jahren auffällig klein. In „Der Mönch mit der Peitsche“ (1967) spricht er nur einen einzigen Satz in einer eigentlich überflüssigen Minirolle – fast ein Cameo-Auftritt. Sein Part im Reinecker-Dreiteiler „Der Tod läuft hinterher“ (1967) ist etwas größer, im Nachfolger „Babeck“ (1968) taucht er hingegen nur kurz auf. Man fragt sich, warum man ihn dafür überhaupt engagierte – und warum er sich darauf einließ. Etwas würdiger ist immerhin seine Rolle in seinem letzten Wallace-Film „Der Mann mit dem Glasauge“ (1968).

Wer Jan Hendriks noch einmal in der Hochform seiner frühen Wallace-Jahre erleben wollte, musste die Kommissar-Folge „Die Tote im Dornbusch“ sehen. Hier steigert er seine bekannte freche Schlagfertigkeit sogar noch. Drei weitere Kommissar-Folgen und zwei Derrick-Episoden folgten, ehe er schließlich den zwar sicheren, aber routinierten und wenig herausfordernden Job als Assistent von Siegfried Lowitz in der Serie „Der Alte“ (1977–1986) übernahm.

Das Ende seines Lebens war tragisch. Im Alter von nur 63 Jahren zog er sich aus eigenem Entschluss in seine Wohnung zurück, vereinsamte zunehmend, verlor immer mehr an Kraft und verhungerte schließlich. Sein Leichnam wurde erst Tage später entdeckt.

Seine Karriere schwankte – nicht zuletzt wegen seines zügellosen Privatlebens – zwischen großen und kleinsten Rollen. Doch selbst in wortlosen Mini-Auftritten blieb sein markantes Gesicht im Gedächtnis. Jan Hendriks gibt Rätsel auf – im Film ebenso wie im wirklichen Leben.

Verfasser: Hans-Jürgen Osmers I Sämtliche Texte unterliegen dem Urheberrecht und dürfen ohne Zustimmung und Quellenangabe nicht anderweitig verwendet werden.