Tim Frazer (1963)

Produktion: Wilhelm Semmelroth, Westdeutscher Rundfunk 
Regie: Hans Quest Buch: Francis Durbridge (Original), Marianne de Barde (deutsche Übersetzung) 
Musik: Hans Jönsson 
Mit: Max Eckard, Marianne Koch, Paul Klinger, Konrad Georg, Ursula Herking, Ernst Fritz Fürbringer, Josef Dahmen, Kurt Waitzmann, Ethel Reschke, Friedrich Joloff, Walter Jokisch, Klaus Kindler, Hans Quest 

Der fulminante Erfolg von „Das Halstuch“ (1962) konnte mit „Tim Frazer“ wiederholt werden. Produzent Wilhelm Semmelroth erweiterte das bewährte Konzept um etwas mehr Außenaufnahmen und Bewegung gegenüber dem Vorgänger. Unter den Durbridge-Vorlagen ist „Tim Frazer“ ein besonders treffendes Beispiel für diese Konstruktionsweise. Allerdings: diesmal hat mich der Roman mehr gefesselt als die filmische Umsetzung. Das liegt möglicherweise daran, dass die Verblüffungsideen des Autors teilweise nur leidlich für filmische Umsetzung geeignet sind. Beispielsweise, wenn das enigmatische Schiffsmodell als Cliffhanger plötzlich in der Wohnung des Helden steht. Der Effekt wirkte im Roman stärker. Vielleicht auch deswegen, weil die filmische Gestaltung nun doch zu konventionell bleibt. Die Story von „Tim Frazer“ ist erfreulich rätselhafter angelegt als die von „Das Halstuch“. Trotzdem hält der neue Mehrteiler nur das Spannungsniveau des Vorgängers, ohne es zu übertrumpfen. Der Bekanntheitsgrad des Darstellerensembles ist zwar etwas weniger schillernd als in „Das Halstuch“, die Schauspieler können aber qualitativ fast ebenso überzeugen. Ernst-Fritz Fürbringer als seniler Modellbauer, Paul Klinger als kultivierter Arzt, Konrad Georg als integrer Geheimdienstchef oder Friedrich Joloff als russischer Kapitän mit bizarrer Ausstrahlung geben perfekte Klischeefiguren im Kriminalspiel – angenehmerweise ohne unnötige psychologische Vertiefung. Hervorzuheben ist die Wahl von Marianne Koch als weibliche Hauptdarstellerin. Ihre Melange aus Kultiviertheit, Attraktivität und Intelligenz bringt sie beinahe in die Nähe einer „femme fatale“. Passgenau für eine Frau, die anziehend und verdächtig zugleich sein kann. Schließlich ist die Darstellung des über sechs Folgen gesuchten Harry Denston durch den Regisseur Hans Quest ein Gag, der allerdings nur bei einem kundigen Publikum zünden kann. Max Eckard spielt Tim Frazer. Mir erscheint die Rollenumsetzung zu brav, Tim Frazers Charakter zu naiv und zu gutmütig. Immerhin soll sich die Figur vom Durchschnittsbürger zum Geheimdienstmitarbeiter entwickeln. Vorgänger Heinz Drache und Nachfolger Harald Leipnitz waren da schon ein anderes Kaliber. Forscher, souveräner. Doch welche Relevanz hat mein persönliches Empfinden, wenn nicht nur das zeitgenössische Publikum von ihm begeistert war, sondern Eckard auch in aktuellen Rezensionen äußerst positiv bewertet wird? Max Eckard als Tim Frazer war so beliebt, dass Semmelroth beschloss, noch zwei weitere Mehrteiler mit dieser Figur umzusetzen.

Verfasser: Hans-Jürgen Osmers I Sämtliche Texte unterliegen dem Urheberrecht und dürfen ohne Zustimmung und Quellenangabe nicht anderweitig verwendet werden.